Rauchfrei
Allgemein,  Motivation

Ein Jahr rauchfrei

Über Nacht hat sich alles verändert

Nie hätte ich gedacht dass ich einmal von den Glimmstengeln loskommen könnte. Doch jetzt ist es bereits ein Jahr her dass ich mir die letzte Zigarette angezündet habe.

Ich hatte eigentlich schon länger davon geträumt endlich nicht mehr zu rauchen, habe aber nie damit angefangen aufzuhören. Zum einen weil ich Angst hatte vor den Entzugserscheinungen und zum anderen Angst davor wieder Rückfällig zu werden.

Warum ich es trotzdem Versucht habe und wie ich es geschafft habe mit dem Rauchen aufzuhören, möchte ich euch mit meinem heutigen Beitrag erzählen.

Warum aufhören zu rauchen?

Dass das Rauchen für Diabetiker besonders schädlich sein kann (diabetischer Fuß) hatte man mir während meiner zahlreichen Arztbesuche bereits mehrfach mitgeteilt. Doch da mein Blutzucker ja wieder im Normalbereich war bestand meiner Ansicht nach auch kein erhöhtes Risiko an einem diabetischen Fuß zu erkranken. Das war für mich also kein Grund mit dem Rauchen aufzuhören. Auch die kleinen Horror Bildchen auf den Zigarettenpackungen nahm ich bereits ein paar Wochen nach deren Einführung schon gar nicht mehr wahr. Doch irgendwann fing es an, dass ich mir während ich eine rauchte, Gedanken darüber machte wie es wäre wenn ich einfach damit aufhören könnte. Viele Zigaretten rauchte ich nur noch aus reinem Verlangen und genoß sie nicht mehr. Bei jeder noch so kleinen Gelegenheit musste ich mir eine anzünden. Am schlimmsten war es wenn ich irgendwo auf irgendwas warten musste. Ins Kino wollte ich auch schon nicht mehr gehen. Da kann man nicht einfach mal die Pause Taste drücken um schnell eine zu quarzen. Entweder du hältst durch oder du verpasst ein Stück vom Film. Das ist dann natürlich ausgerechnet eine wichtige Schlüsselszene oder ein spannender Kampf oder eine Verfolgungsjagd.

Mit dem Aufhören anfangen

Dass ich dann doch irgendwann damit anfing mit dem Rauchen aufzuhören, verdanke ich wie so oft in meinem Leben dem Zufall. Als ich vergangenen Sommer wegen Rückenproblemen zur ReHa musste bot man mir, in der Klinik, die Teilnahme an einer Raucherentwöhnung an. Diese fand einmal pro Woche statt und man konnte sich sogar kostenlose Nikotinpflaster geben lassen. Vorsichtshalber ließ ich mir eins geben und begann damit mich seelisch und geistig auf den Entzug vorzubereiten. In der ersten Woche rauchte ich noch weiter. Schließlich hatte ich mir einen kleinen Vorrat mitgenommen. Ich bin geizig. Weggeworfen wird nichts.

Während des zweiten Treffens erwähne ein Mitpatient das Buch “Endlich Nichtraucher” von Allen Carr*. Bis dato hatte ich zwar schon mehrfach von dem Buch und seiner hervorragenden Wirkung gehört, aber nicht wirklich daran geglaubt dass man nur durch das blanke lesen eines Buches seine Nikotinsucht loswerden kann. Da muss doch noch mehr dazu gehören.

Alles schon mal da gewesen

Dann erinnerte ich mich an meinen Zuckerentzug. Damals hatte ich anfangs sogar nur ein paar Broschüren vom Arzt und meinen Willen, keine Medikamente mehr nehmen zu müssen.

Noch am selben Abend besorgte ich mir das Buch und fing an es zu lesen. Da das Wochenende vor der Tür stand hatte ich das Buch auch recht zügig durch.

Im großen und ganzen bekommt man beigebracht dass man Nikotin nicht braucht und es einem besser geht wenn man darauf verzichtet. Wie beim Zucker. 

Parallelen

Wenn man Zucker und Nikotin vergleicht merkt man schnell dass beide eine gemeinsame Eigenschaft besitzen, die man ausnutzen kann wenn man sich davon entwöhnen will. Beide machen süchtig. Und genau das ist der Knackpunkt. Wenn man eine Sucht loswerden will darf man seinen Körper nicht mit dem Suchtstoff füttern. Deshalb nutze ich auch das Nikotinpflaster nicht sondern gab es der Ärztin wieder zurück. Vielmehr rauchte ich meine letzte Schachtel bewusst noch zu Ende und ging dann schlafen. 

Rauchfrei über Nacht

So hatte ich am nächsten Morgen schon mal die ersten acht Stunden vom körperlichen Entzug überstanden. Ab dann fing eine neue und Großartige Zeit für mich an. Im Kopf stand für mich bereits fest dass ich nicht mehr rauchen möchte. Es ist nämlich nicht nötig um zu leben und glücklich zu sein. Diese Erkenntnis hat mir mein Buch gelehrt. Doch der Körper will auch entwöhnt werden. Gott sei Dank geht das bei Nikotin recht schnell. Tagsüber kann man sich mit allen möglichen Aktivitäten ablenken. Immer wenn ich in eine Situation kam in der ich sonst eine Zigarette geraucht hatte, war auch erst mal kurzzeitig das Verlangen da. Dann sagte ich zu mir “du rauchst doch gar nicht mehr” und dachte mir im Anschluss “ach ja, stimmt da war doch was”. Genau diese zwei Sekunden hatten gereicht um das Suchtgefühl zu übergehen. Und wie von Zauberhand waren die Gedanken schon wieder woanders. Je öfter sich diese Situationen wiederholten, umso weniger Verlangen hatte ich nach einer Zigarette. Schon nach ein paar Tagen machte es mir nichts mehr aus wenn jemand in meiner Umgebung rauchte. 

Bald ist alles vorbei

In der ersten Nacht (also nach den ersten 24 Stunden ohne Nikotin) konnte ich zwar schnell einschlafen, wachte aber fast jede Stunde einmal auf. Das besserte sich aber bereits in der zweiten Nacht. Da wachte ich nur noch viermal auf. Bereits in der dritten Nacht konnte ich schon wieder durchschlafen. Andere Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Gereiztheit oder Übelkeit konnte ich nicht feststellen.

Die Restliche Zeit in der ReHa verlief ohne weitere Zwischenfälle. Auch zuhause gab es keine Probleme obwohl meine Frau noch immer auf unserem Balkon in meiner Anwesenheit rauchte. Sie hörte dann eine Woche später auch auf zu rauchen und hat bis heute keine Zigaretten mehr angefasst. Da sie nicht so eine Leseratte ist wie ich, habe ich Ihr das Video* zum Buch* besorgt und mit ihr zusammen angesehen.

Der Sucht ein Schnippchen schlagen

Es ist wichtig seine Triggerpunkte zu kennen und sich vorzubereiten wenn man merkt dass gleich einer kommt.

Nach ein paar Wochen zurück in der Heimat gingen meine Frau und ich ein wenig in die City zum Shoppen. Schließlich haben wir durch die Rauchentwöhnung rund 300,00 Euro im Monat gespart. Immer wenn wir einen Laden verlassen hatten war da wieder dieses Gefühl, uns eine anzünden zu müssen. Einfach nur weil wir das früher auch so gemacht hatten. Das passierte gerade dann, wenn wir in eine Situation kamen in der wir üblicherweise vor der Rauchentwöhnung eine geraucht hätten. Hatten wir diese Situation einmal überstanden, war es beim nächsten mal nicht mehr so. 

Hier mal ein kleines Beispiel. Wenn wir shoppen gehen dann steigen wir normalerweise immer an der selben Haltestelle aus. Laufen durch die Fußgängerzone und nutzen die Haltestelle am Ende der Fußgängerzone für die Heimfahrt. Wir haben immer eine geraucht als wir angekommen sind und vor der Heimfahrt. Beim ersten mal hatten wir das Verlangen, beim zweiten mal nicht mehr. Einmal haben wir beschlossen das ganze umzudrehen und verkehrt herum durch die Fußgängerzone zu laufen. Plötzlich war das Gefühl eine rauchen zu müssen wieder da. Aber auch nur einmal, dann ist es weg.

Irgendwann war es ganz weg

So wurden sie Situationen immer seltener und waren irgendwann ganz verschwunden. Heute kann ich nicht einmal mehr sagen wann ich das letzte mal das Gefühl hatte eine Rauchen zu müssen. Das dürfte jetzt schon gut fünf oder sechs Monate her sein. Auch in den größten Stresssituationen habe ich kein Verlangen mehr nach Zigaretten oder Ähnlichen Mitteln. Das hat mir mein Autounfall im vergangenen Februar bewiesen. Selbst als der erste Schock überwunden war und der Unfallgegner eine nach der anderen quarzte hatte ich absolut kein Verlangen eine Zigarette zu rauchen. Wir standen über eine Stunde da und warteten auf die Polizei und den Abschleppdienst.

Entscheiden statt durchhalten!

Für meinen Geschmack wird ein viel zu großer Hype um Nikotinersatzstoffe gemacht. Man will uns einreden das wir es eh nicht schaffen mit dem Rauchen aufzuhören und will uns Hilfsmittel oder vermeintlich gesündere Alternativen verkaufen. Dabei braucht es doch nur ein bisschen Grundwissen und den eigenen freien Willen um seine Ziele zu erreichen. Wie oft habe ich den Spruch gehört “mal sehen wie lange du durchhältst”. Das zeigt mir dass mein Gegenüber den Sinn hinter allem nicht begriffen hat. Ich muss nicht DURCHHALTEN, ich habe mich dazu entschieden, dass ich manche Dinge weder brauche noch haben möchte, egal ob Nikotin, Zucker oder andere negative Einflüsse. Ebenso wie ich damals den Zucker aus meinem Leben verbannt habe, konnte ich auch die Nikotinsucht loswerden.

Was kommt als nächstes?

Nach meinem Burnout im vergangenen Jahr habe ich beschlossen dass ich Stress soweit es mir möglich ist aus meinem Leben zu verdrängen. Das ist nun Wohl mein nächstes Projekt. Bisher läuft es ganz gut, jedoch kann man nicht erwarten dass alles auf einen Schlag besser wird. Doch im Laufe der Zeit wird es immer leichter. Das habe ich während meinem Zuckerentzug und der Rauchentwöhnung gelernt.

Fazit

Zusammengefasst sah meine Rauchentwöhnung folgendermaßen aus.

Schritt:

  1. Den Entschluss fassen mit dem Rauchen aufzuhören
  2. Geistig auf die Zukunft ohne Zigaretten vorbereiten (wie will ich gewonnene Zeit oder Geld nutzen)
  3. Informationen über die Wirkung von Nikotin einholen (Buch lesen, Video ansehen, Hörbuch hören)
  4. Einen geeigneten Zeitpunkt wählen (Urlaub, langes Wochenende)
  5. Die letzte Zigarette in entspannter Umgebung zelebrieren (verabschieden)
  6. Am nächsten Tag immer daran denken oder sich selbst suggestieren dass man nicht mehr raucht.
  7. Auf Triggersituationen vorbereiten (Wenn der Gedanke aufkommt “gleich kann ich eine rauchen” zu sich selbst sagen “ich rauche nicht”)
  8. Niemals durch andere Menschen vom Ziel abbringen lassen (Dumme Sprüche einfach ignorieren)
  9. Langsam wieder zu Gruppen gesellen in denen es auch Raucher gibt
  10. Den Erfolg genießen und sich von denen Feiern lassen die bisher nicht den Willen und die Stärke hatten es wenigstens zu versuchen.
  11. (Optional) Anderen dabei helfen ebenfalls das Ziel Raucherentwöhnung erfolgreich zu erreichen.

Bitte Bitte Bitte….

…denke immer daran:

Du wirst auf Neider treffen die dir alles madig reden wollen. Ignoriere bitte nicht die Personen an sich. Ignoriere nur ihre dummen Sprüche. Es spricht nicht die Person, es spricht die Sucht nach Nikotin.

Du wirst aber auch auf Menschen treffen die zu dir aufsehen. Menschen die es alleine nicht schaffen. Lache nicht über sie, tröste sie und hilf Ihnen dabei ihr Ziel zu erreichen.

Schreibe einen Kommentar