Nein sagen
Allgemein

Einfach mal NEIN sagen!

Die Fähigkeit, das Wort "NEIN" auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.

Das Märchen von der Belohnung...

Während meiner letzten Reha bin ich einigen Typ-2 Diabetikern begegnet. Doch egal wie unterschiedlich diese Personen waren. Alle glaubten/glauben an das gleiche alte Märchen. Diese Leute denken doch tatsächlich dass sie sich nach einer gewissen Zeit, in der sie sich an Ihre Diät gehalten oder mehr Sport als üblich getrieben haben, eine Belohnung verdient hätten und diese auch mit aller Gewalt einfordern. Da fallen dann Sprüche wie „heute habe ich viel Sport gemacht, da kann ich mir mal was gönnen“ oder „Eine kleine Belohnung tut der Seele gut“. Ähhmm Moment. Das klingt ja gar nicht so abwegig. Aber sehen wir uns mal diese Belohnungen etwas genauer an. Mit was belohnen wir uns denn in der Regel?

  • Süßigkeiten (Schokolade/Gummibärchen)
  • Fette und/oder üppige Mahlzeiten (Pizza/Braten/Döner)
  • Alkohol (Bier/Schnaps/Wein/Cocktail)
  • Nikotin (Zigarette/Zigarre/Pfeife)
Also mit Dingen die uns krank machen. Tolle Belohnung.
Kaum jemand kommt auf die Idee seinem Körper zur Belohnung etwas gutes zu tun. Niemand geht nach einem anstregenden Workout hinterher gemütlich im Park spazieren. Niemand zieht nach einem Fußballspiel noch ein paar entspannte Bahnen im Schwimmbad.
Genau betrachtet brauchen wir auch gar keine Belohnung nach dem Sport oder weil wir eine Diät durchgezogen haben, denn dadurch haben wir unseren Körper bereits belohnt. Wir haben ihm das gegeben was er braucht. Bewegung und eine gesunde Ernährung. Gut, vielleicht können wir Ihm noch ein Glaß Wasser spendieren. Das mag er auch sehr gerne 🙂
 
Also, einfach mal auf eine verlogene Belohnung verzichten und NEIN sagen.

Ein Paradebeispiel von Selbstbetrug

Einer meiner Mitpatienten leidet wie ich an Diabetes Typ-2. Seine Werte sind allerdings nur knapp über dem Soll und er nimmt Mettformin ein. Abends spritzt er zusätzlich noch etwas Insulin. Dieser Herr ist stark übergewichtig und Raucher. Als ich Ihm erzählte dass ich nur durch einen Zuckerentzug ca. 20 Kilo abgenommen habe und dadurch meine Zuckerwerte wieder in den Normalbereicht bringen konnte, meinte er zu mir: „Er habe schon so viele Diäten ausprobiert und keine hat geholfen.“ Ich erklärte ihm dass ich keine Diät mache sondern meine Ernährung dauerhaft umgestellt habe und dass Zucker keine Rolle mehr in meinem Leben spielt. Ich erklärte Ihm wie der Zucker und das Insulin im Körper wirkt und dass sich seine Zuckerwerte und sein Gewicht wieder normalisieren könnten wenn er auf Zucker verzichten würde. Er hörte mir aufmerksam zu und ich hatte das Gefühl dass er begriffen hatte warum er in der Vergangenheit nicht abnehmen konnte.

Gleich am nächsten Tag bekam ich ein Gespräch zwischen diesem Herren und einem anderen Patienten mit. Originalton:

Ach heute war der Sport so anstrengend, da musste ich mir etwas zur Belohnung kaufen (Öhhm die zwei Kilometer Fußweg zu Aldi und zurück sind scheinbar nicht anstrengend?), und zog eine 300g Packung Colorado von Haribo aus der Einkaufstüte. Als der andere Herr daraufhin fragte: Darfst du dass überhaupt essen mit deinem Zucker? kam wie aus der Pistole geschossen: Ich ess doch nur ein bis zwei Hände voll am Tag. Und ausserdem kann ich mir für heute Nacht ja etwas mehr Insulin spritzen.

In diesem Moment war mir klar dass der Herr gar nicht abnehmen wollte, sondern einfach lieber Süßigkeiten verzehrt. Mal ehrlich, nach ein bis zwei Händen voll Gummibärchen ist die Tüte nahezu halb leer und der Tagesbedarf an Zucker ist für die nächsten vier Tage gedeckt.

In einem weiteren Gespräch hab ich ihn darauf angesprochen ob er denn schon damit begonnen habe seine Ernährung umzustellen. Als Antwort bekam ich den Vorwurf dass ich mich selbst belüge weil es nicht geht dass man ohne Zucker und Süßigkeiten auskommt. Das braucht der Körper ab und zu. Er habe keine Lust sich nur zu Quälen, so wie ich.  Darauf hin erklärte ich Ihm dass auch ich ab und zu mal Süßigkeiten nasche, allerdings keine 08/15  Süßigkeiten sondern hochwertige Torten oder Eiskreationen. Und das eben nicht jeden Tag sondern vielleicht zwei bis drei mal im Jahr. Ausserdem erklärte ich ihm dass ich mich nicht quäle sondern sehr gut ohne Zucker auskomme. Zum Abschluss des Gesprächs fragte ich Ihn noch worin die Logik besteht sich nach dem Sport wieder mit Kalorien und Fett zu belohnen. Auf diese Antwort warte ich heute noch 🙂

Jeder darf mich um Rat bitten, denn ich helfe gerne, wenn ich kann. Doch zu Menschen die mir nur meine Zeit rauben wollen muss ich ganz klar NEIN sagen.

Stärke zeigen.

Viele Menschen haben Angst, Angebote von Freunden oder Kollegen abzulehnen weil sie befürchten ausgelacht oder als langweilig abgestempelt zu werden. Nicht nur auf Partys in Sachen Alkohol, sondern auch beim Thema Zuckerkonsum kann man recht leicht unter starken sozialen Druck geraten. Obwohl mein direktes Umfeld genau weis dass ich Zucker und kohlenhydratreiche Lebensmittel meiden möchte, kommt es immer wieder vor dass man mir mir ein Stück Kuchen, eine nicht zuckerfreie Cola oder andere Süßigkeiten anbietet. Wenn ich deratige Angebote ablehne, kommen oft Sprüche wie „Man kann es auch übertreiben“ oder „Ab und zu kann man mal eine Ausnahme machen“. Was diese Leute nicht wissen, bzw. nicht glauben wollen ist, dass sie sich selbst belügen und ihrer Gesundheit auf dauer massiv schaden. Nicht weil sie einmal eine Ausnahme machen, sondern vielmehr weil sie permanent und sogar mehrfach täglich Ausnahmen machen.

Lerne es zu Ausnahmen NEIN zu sagen.

Was kann schon passieren?

Wenn ich solche Angebote bekomme, stelle ich mir immer die Frage „Was kann mir schlimmstenfalls passieren wenn ich das Angebot ablehne“?  Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, lehne ich Alkohol grundsätzlich ab. Süssigkeiten lehne ich dann ab wenn mir gerade nicht danach ist, oder wenn ich meiner Meinung nach bereits so viele Kohlenhydrate zu mir genommen habe, so dass ich durch die Süßigkeit mein Tagesmaximum von 130g überschreiten werde. Auch wenn es keine Süßigkeiten gibt die es qualitativ Wert sind von mir gegessen zu werden, lehne ich dankend ab. Das klingt jetzt villeicht ein Bisschen überheblich, doch ich selbst entscheide was es mir Wert ist meine Gesundheit zu gefährden und was nicht.

Das wirklich schlimmste was mir passieren kann, ist dass jemand mit meiner Einstellung nicht klar kommt. Dann ist es diese Person allerdings auch nicht wert mich näher kennen zu dürfen. Auch an dieser Stelle ist es manchmal besser einfach mal NEIN zu sagen.

Nicht darüber nachdenken.

Wer nein sagt muss nicht zwangsläufig auch eine Erklärung mitliefern. Früher habe ich mich zu jedem NEIN gerechtfertigt. Das hat mich jedes mal so gestresset dass ich manchmal so lange mit der Antwort gewartet habe, bis ich die vermeintlich plausibelste Begründung gefunden hatte warum ich NEIN sagen musste. Ich kann gar nicht sagen wie viele Stunden meines Lebens mich das gekostet hat. Und in den meisten Fällen hat niemand danach gefragt. Am Ende hätte ein einfaches NEIN sogar gereicht.

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