Diabetes TYP 2
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Diagnose: DIABETES TYP2! Was nun?

Die ersten Schritte in ein neues Leben mit Diabetes TYP 2

Hat Ihr Arzt bei Ihnen Diabetes TYP 2 festgestellt sind Sie vermutlich erst einmal geschock. Im ersten Moment denkt man „warum ich“, „was kommt jetzt auf mich zu“ und „ich will auf nichts verzichten“. Doch wenn man sich ein wenig gefasst hat, dann kommt der Moment an dem man sich fragt „wie kann ich trotz Diabetes TYP2 meinen alten Lifestyle weiter erhalten“. Für Betroffene gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Den alten Lebenstil werden sie nicht halten können wenn sie Ihre Diabetes im Griff bekommen wollen. Die gute Nachricht: Ihr Lebensstil wird sich nachhaltig wesentlich verbessern, wenn sie ein paar einfache Regeln befolgen und Sie sich auf neues einlassen werden.

Schritt 1 - Aufklärung

Nach der Diagnose Diabetes TYP 2 sollten Sie durch Ihren Arzt erste Informationen und Hilfsmittel zu Ihrer neuen gesundheitlichen Situation erhalten.

Diese können folgendermaßen aussehen:

  • Ihr aktueller Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c)
  • Ein grobes Therapieziel und mögliche Wege diese zu erreichen
  • Eine Übersicht welche Lebensmittel Sie in Zukunft meiden sollten
  • Eine Infobroschüre zum Thema Diabetes Mellitus (alle Typen)
  • Ein Blutzuckermessgerät inkl. Stechhilfe, Lanzetten und Teststreifen
  • Eine Unterweisung wie man den Blutzuckerspiegel richtig misst
  • Eine Überweisung zu einer Diabetologischen Praxis oder einer Ernährungsberatung
  • Medikamente (wenn erforderlich) & Dosierungsanweisung
  • Folgetermine zur Überwachung des Langzeit-Blutzuckerwertes (HbA1c) (falls diese nicht beim Diabetologen stattfinden)
  • Einen Diabetikerpass

Sollte Ihr Arzt einen oder mehrere dieser Punkte übersehen haben, so sprechen Sie ihn unbedingt darauf an. Fehlende oder falsche Informationen können den Erfolg Ihrer Therapie gefärden und sich für den Rest Ihres Lebens auf Ihre Lebensqualität auswirken.

Schritt 2 - Mehr Bewegung

Um die Wartezeit bis zum Beginn Ihrer Ernährungsberatung sinnvoll zu überbrücken (bei mir waren es stolze 3 Monate) sollten Sie anfangen, sich jeden Tag ausreichend zu bewegen. Ich schreibe jetzt hier mit Absicht nicht, dass Sie damit anfangen sollen mit aller Gewalt Sport zu treiben. Sport klingt für viele Menschen abschreckend und ist nicht zwingend notwendig um Ihren Blutzucker zu senken. Dafür reicht es aus sich einfach nur 30 – 60 Minuten pro Tag zu bewegen. Egal in welcher Form.

Bewegung senkt den Blutzucker, hält Muskeln elastisch und verbrennt Kalorien. Um seinen Blutzucker im Rahmen zu halten muss man allerdings nicht Zwingend einen teuren Vertrag mit einem Fitness-Studio abschliessen. Moderates gehen, Nordic-Walking, Schwimmen oder etwas Gymnastik reichen vollkommen aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO (http://www.euro.who.int) empfiehlt, täglich 10.000 Schritte zu tun um gesund zu bleiben. Dieses Schrittziel kann man ganz einfach in den Alltag einbauen.

  • Vermeiden Sie Aufzüge und Rolltreppen.
  • Gehen Sie kurze und mittlere Strecken immer zu Fuß.
  • Nutzen Sie Wartezeiten indem Sie die Straße auf und abgehen.
  • Gehen Sie, wenn möglich, bei längeren Telefonaten im Raum auf und ab.
  • Gehen sie absichtlich Umwege
  • Vermeiden Sie Abkürzungen

Schritt 3 - Den Zuckerkonsum reduzieren

Eine weitere Maßnahme die Sie bis zum Beginn der Ernährungsberatung treffen können, ist die Reduktion Ihres Zuckerkonsums. Diabetes TYP 2 wird in den häufigsten Fällen von einem, über längere Zeit, überhöhten Zuckerkonsum ausgelöst. Im logischen Umkehrschluß kann man Diabetes bekämpfen und abwehren, wenn mann seinen Zuckerkonsum stark einschränkt. Ich persönlich habe den Zucker von heute auf morgen weitestgehend aus meinem Leben verbannt, indem ich die zuckerhaltigsten Lebensmittel durch zuckerfreie Alternativen ersetzt habe. Das ist allerdings, vor allem geschmacklich, nicht jedermanns Sache. Wer seinen Zuckerkonsum nicht radikal veringern möchte, der kann damit beginnen sich schrittweise zu entwöhnen.

Beispiel Schokolade:

Vollmilchschokolade enthällt, wie der Name schon sagt, einen hohen Anteil an Milch. Milch wiederum enthät ca. 5g Zucker auf 100ml. Oder anders ausgedrückt, kommen auf einen Liter Milch satte 50g Zucker. Das ist das doppelte der empfohlenen Tagesdosis durch die WHO. Grundsätzlich gilt bei Schokolade: Je höher der Kakaoanteil ist um so weniger Milch ist in der Schokolade enthalten. Somit auch automatisch weniger Zucker. Ein Unterschied der sich auch auf den Geschmack auswirkt. Nicht jeder mag Zartbitterschokolade. Jedoch kann man die Geschmacksnerven an neue Geschmacksrichtungen gewöhnen, indem man Schritt für Schritt den Kakaoanteil erhöht.

Eine solche Umgewöhnung kann beispielsweise folgendermaßen aussehen:

  • 1. Woche – 50% Kakaoanteil
  • 2. Woche – 60% Kakaoanteil
  • 3. Woche – 70% Kakaoanteil
  • 4. Woche – 80% Kakaoanteil
  • 5. Woche – 85% Kakaoanteil

Wer möchte kann sich auch noch weiter steigern. In einigen Supermärkten bekommt man auch Schokolade mit 90%, 95% und sogar 99% Kakaoanteil (https://www.lindt.de/produkte/marken/excellence/edelbitter/excellence-99/). Diese Sorten sind allerdings nur für hartgesottene Naschkatzen geeignet. Denn in Kakao sind Bitterstoffe enthalten, die bei den „Hochprozentigen“ Schokoladensorten stark dominieren.

Genau so kann man den geliebten Zucker im Kaffee Woche für Woche Schrittweise reduzieren bzw. durch Süßstoff ersetzen. Vor meiner Erkrankung an Diabetes TYP 2 gab ich 4 Stück Zucker in jede Tasse Kaffee. Später ersetzte ich den Zucker durch 4 Süßstofftabletten pro Tasse. Etwas über ein Jahr später gebe ich nur noch eine einzige Süßstofftablette in einen Kaffeehumpen (große Tasse).

 

Schritt 4 - Ernährungsberatung

Sollten Sie die Möglichkeit haben, früher an einer Ernährungsberatung teilzunehmen, dann sollten Sie diese Chance unbedingt nutzen. Je früher Sie wissen welche Lebensmittel Sie in welchen Mengen verzehren sollten, umso früher können Sie beginnen Ihren HbA1c-Wert wieder in Richtung Normalbereich zu navigieren. Während der Ernährungsberatung (auch bei einer Diabetiker-Schulung) lernen Sie wie sich Zucker und Kohlenhydrate auf ihren Körper auswirken, und wie Sie diese so dosieren können, dass sich Ihr Blutzuckerspiegel nach und nach wieder normalisiert. Hierbei werden in kleinen Gruppen, zum Teil auf spielerische Weise, Lebensmittel und deren Auswirkungen auf den Stoffwechsel unter die Lupe genommen. Auch Fettgehalt und Kalorien werden thematisiert, da sich Übergewicht unter anderem auch auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Eine professionelle Ernährungsberatung (oder Diabetikerschulung) ist desshalb so wichtig, da viele Hausärzte nicht immer über die neuesten Erkenntnisse der Ernährungsforschung verfügen. Ernährungsberater und Diabetologen sind spezialisten auf diesem Gebiet und immer up-to-date.

Eine nach Postleitzahlen sortierte Übersicht mit allen Diabetologen in Deutschland finden sie beim unabhängien Diabetes-Portal DiabSite unter folgendem Link: https://www.diabsite.de/wegweiser/adressen/diabetologen/index.html

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. stellt eine, ebenfalls nach Postleitzahlen sortierte, Übersicht von Ernährungsberatern in Deutschland zur Verfügung –> https://www.dge.de/service/ernaehrungsberater-dge/

Wer lieber an einer Online-Ernährungsberatung teilnehmen möchte, wird bei Check24* fündig. Wurde bei Ihnen Diabetes Mellitus diagnostiziert, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Ernährungsberatung / Diabetikerschulung.

Bitte beachten Sie:

Ob die Teilnahme an einer Online-Ernährungsberatung von Ihrer Krankenkasse übernommen wird, erfragen Sie bitte vor der Anmeldung bei Ihrer Krankenkasse.

 

Schritt 5 - Immer am Ball bleiben!

Jeder hat mal gute und schlechte Tage. Gerade bei Diabetikern kommt das am Anfang häufiger vor. Man hat sich strikt an die Vorgaben gehalten, doch der Blutzucker ist heute höher als gestern, obwohl er eigentlich nidriger sein müsste. Viele Faktoren wirken sich auf den Blutzuckerspiegel aus. Neben der Tagesverfassung der Bauchspeicheldrüse oder der Leber spielt auch Stress eine sehr große Rolle. Da nicht jeder Tag genau so entspannt wie der andere abläuft, schwankt auch der Blutzuckerspiegel entsprechend. Das ist aber auch bei gesunden Menschen so. Wirklich wichtig ist nur, dass der HbA1c-Wert stabil im Normbereich liegt. Dieser wird alle 100-120 Tage vom Hausartzt oder Diabetologen mittels Blutentnahme ermittelt.

Zuguterletzt ist es sehr hilfreich sich ein gewisses Maß an Wissen über Diabetes Mellitus anzueignen. Hierzu gibt es zwar Zahlreiche Beiträge im Internet. Diese sind aber meist nur zu einzelnen Themengebieten verfügbar und somit ist es ziemlich mühsam alle wichtigen Informationen zusammen zu tragen. Hier empfiehlt es sich, sich ein passendes Buch zum Thema Diabetes TYP 2 zuzulegen.

Ich persönlich habe mir das Buch Fit wie ein Diabetiker: Messen! Essen! Laufen! von Hans Lauber* (Link zum Buch bei Amazon) zugelegt.

Dieses Buch hat mir durch die ersten Monate mit meiner damals „neuen“ Krankheit geholfen. Der Autor leidet ebnefalls seit einigen Jahren an Diabetes TYP 2 und hat im Laufe der Jahre eine Methode entwickelt wie man ohne Insulin oder Metformin seinen HbA1c wieder in den Normalbereich bringen kann. Ich habe damals angefangen danach zu Leben und muss heute kein Metformin mehr einnehmen und konnte das spritzen von Insulin von vorne herein abwenden. Mit Hilfe dieses Buchs konnte ich darüber hinaus über 20 Kilo abnehmen und (wie der Autor) meinen HbA1c-Wert von 10,1% auf aktuell 5,65% (unterhalb der oberen Grenze vom Normalbereich 5,7% ) senken.

Viele weitere Bücher zum Thema Diabetes TYP 2 findet man unter anderem auch bei Thalia* oder Amazon*

 

FAZIT:

Ein Leben mit Diabetes TYP 2 muss nicht zwangsläufig schlechter sein als ein Leben ohne diese Krankheit. Mir persönlich hat die Krankheit dabei geholfen, durch neues Wissen meinen Lebenstil so drastisch zu ändern dass es mir heute viel besser geht als jeh zuvor. Obwohl Zucker ein Energielieferant ist, habe ich heute mehr Energie als in den letzten Jahren in denen ich Zucker in großen Mengen zu mir genommen hatte. Jahrelang litt ich unter Sodbrennen, Müdigkeit, Adipositas und auch Magenprobleme und Verdauungsstörungen. Das alles ist wie weggeblasen. Mir fehlen jetzt nur noch ca. 6 Kilo bis zum Normalgewicht. Dadurch dass ich mich jetzt täglich ausreichend bewege und mich seit einem Jahr ausgewogen und bewusst ernähre, werde ich auch dieses Ziel problemlos erreichen.

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