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Verkehrte Welt

Wahrscheinlich kennt das jeder Diabetiker. Du glaubst deinen aktuellen Blutzuckerwert nahezu pefekt abschätzen zu können. Schliesslich hast du ja jahrelang Erfahrungen darin gesammelt. Oft funktionert das sogar ganz gut. Doch manchmal gibt es Tage da spielt dir dein Stoffwechsel einen Streich. So ist es auch mir kürzlich ergangen. Doch nicht nur der Stoffwechsel, sondern auch der HbA1c-Wert und sogar die Behörden können dich mit schier unerklärlichen Überaschungen aus der Bahn werfen.

Die Tagesverfassung, die olle Zicke

An diesem Freitag habe ich zwischen dem Mittagessen und dem Abendessen nichts gegessen. Lediglich zwei Tassen Kaffe mit etwas Milch und eine Flasche Mineralwasser hatte ich im Laufe des Nachmittags zu mir genommen.

Umso erstaunlicher war es dass mein Messgerät zur Messung vor dem Abendessen satte 162 mg/dL ausgespuckt hatte. Warum war mir schleierhaft.

Doch der große Hammer kam zwei Stunden später. Nach dem hohen Wert vor dem Abendessen gingen meine Erwartungen für die Messung nach dem Abendessen auf mindestens 200 -250 mg/dL. Es gab Gyros aus Hühnchenfleisch mit Zatziki, Pommes und Krautsalat.

Ich konnte nicht glauben was mein Messgerät bei der Messung nach dem Abendessen anzeigte. Mit nur 107 mg/dL lag ich sowas von daneben.

Wie das zustande kam werde ich wohl nie erfahren und ganz sicher auch niemals verstehen.

Mit sporadisch stark schwankenden Blutzuckerwerten hat jeder Diabetiker ab und an mal zu kämpfen.

Hä? Ich dachte ich habe geschludert?

Nachdem ich auf meiner Reha im August sehr viel Sport getrieben hatte, wurde ich in den Wochen danach ein wenig träge, was das Laufen anging. Auch der Start der Reha-Nachsorge (T-Rena) lies noch vier Wochen auf sich warten. T-Rena ist im Endeffekt nichts anderes als betreutes Training an Fitnessgeräten, um den Muskelaufbau voranzutreiben. In meinem Fall um die Rückenmuskulatur stärken. Gefühlt war ich in der Übergangszeit extrem faul.

Ende Oktober war mal wieder eine Langzeitblutzuckerbestimmung fällig. Mit 6,1 mmol zu Beginn der Reha war zu rechnen. Aber nicht mit den sagenhaften 5,48 mmol nach meinem Faulenzersommer. Das ist bisher mein niedrigster HbA1c-Wert in den letzten zwei Jahren.

Seit anfang November trainiere ich wieder regelmäßig 2x pro Woche und gehe am Wochenende mindestens 2x eine Stunde spazieren. Mal sehen wie die nächste Messung anfang Februar ausfällt.

Um weiter an meinem Muskelaufbau zu arbeiten werde ich mich im Anschluß an das T-Rena Training in einem Fitnesstudio anmelden.

Krank, aber irgendwie doch nicht

Während der Reha wurde mir nahegelegt eine Erhöhung meines Grades der Behinderung (GdB) zu beantragen. Aufgrund einer angeborenen Wirbelsäulenverformung hatte ich vor einigen Jahren bereits einen Gdb von 20 erhalten. Der erneute Antrag sollte es ermöglichen durch mein Diabetes und einer weiteren hinzugekommenen Erkrankung einen GdB von 50 zu errreichen.

Ich hatte nicht erwartet dass ich einen einzel GdB von mehr als 10 für mein Diabetes bekommen werde, da meine Werte aufgrund meiner Therapie ja weitestgehend im Rahmen sind.

Doch als der Bescheid kam war ich doch etwas geschockt. Mein geamt GdB wurde zwar auf 30 angehoben, doch allerdings nicht aufgrund meines Diabetes sonder wegen meiner anderen neuen Krankheit. Zum Thema Diabetes hat man sich folgendermaßen geäußert:

“Die mit der/den Gesundheitsstörung/en

  • Zuckerkrankheit

verbundenen Einschränkungen bedingen keinen GdB von wenigstens 10

Die Berücksichtigung bei der Feststellung des GdB ist daher nicht möglich.”

 

Warum die Krankheit nicht berücksichtigt werden kann wurde in dem Schreiben nicht weiter erläutert.

Das schreit förmlich nach einem Einspruch.

 

Zweiklassengesellschaft

Wie ich bereits in früheren Beiträgen berichtet hatte, kenne ich Typ2-Diabetiker die aufgrund von falscher Ernährung  und/oder fehlender Aufklärung/Motivation Metformin nehmen und/oder Insulin spritzen müssen. Diese Personen bekommen Messtreifen und Lanzetten kostenlos zur Verfügung gestellt und obendrauf noch einen GdB von 30 – 50.

Für mich bedeutet das, dass ich mich irgendwie ins eigene Fleisch schneide, nur weil ich meine Diät einhalte und mich sportlich betätige.

Doch auch Ich habe unter Einschränkungen zu leiden. Dadurch dass ich meine Mahlzeiten fast immer frisch zubereite und zu festgelegten Uhrzeiten zu mir nehme, bin ich nicht so flexibel wie mein Freundeskreis. Das bedeutet dass ich an manchen Freizeitaktivitäten nicht oder nur bedingt teilnehmen kann. Sportliche aktivitäten fressen nun mal Freizeit. Auch muss ich immer wieder mal meine Zuckerwerte messen, mehrere Arzttermine jährlich absolvieren (Diabetologe, Podologe, Augenarzt, Psychologe, Hausarzt usw.) und mit den Launen meiner Bauchspeicheldrüße klar kommen.

Obwohl ich meine Zuckerwerte weitestgehend im Griff habe bedeutet das nicht dass ich mich nicht anstrengen muss um dieses Ergebnis zu erreichen.

Von nix kommt nun mal nix!

Nicht falsch verstehen...

…es gibt mit Sicherheit viele Typ2-Diabetiker die auf Metformin und/oder Insulin angewiesen sind. Die sollen sich hier auch nicht angesprochen fühlen. Auch nicht die Diabetiker mit Typ1. Da geht´s nun mal nicht anders. Aber wenn man kann sollte man die Chance nutzen. Allerdings sollten diejenigen die sich anstrengen nicht dafür bestraft, sondern eher unterstützt werden. Und wenn es nur ein paar Messtreifen und Lanzetten pro Monat sind. Auch ein GdB von 10 wären angebracht. Einfach nur um als Diabetiker anerkannt zu werden.

Denn auch wenn man mit Diabetes gut leben kann… Spass geht anders!

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